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Murg 2004 von der unteren Grenze bis Hutzenbach

Ich stehe auf der Brücke bei Mitteltal und die letzten Ringe des Tages in der Murg zerfliesen auf dem dem Wasser unter mir. Zufrieden lasse ich noch einmal in diesen Minuten   die letzten 2 Tage Revue passieren. Es war Anfang Juni als ich mich zum   2. Mal in   2004 zu einem Kurztrip an die Murg bei Schönmünzach aufmachte. Es hatte in den letzten Tagen zum Teil heftig geregnet, die Wetterfrösche versprachen jedoch ein Hochdruckgebiet für die nächsten Tage.

  Ich hatte mir im Vorfeld eine Pension über das Fremdenverkehrsamt ausgesucht und quartierte mich dort gegen 09.00 Uhr ein. Die Kurkarte war schnell ausgefüllt und so ging es auf den Weg zur Kartenausgabestelle im Kurhaus in Schönmünzach.

Eine halbe Stunde später stand ich am Wasser. In der Regel beginne ich meinen Angeltag   bereits am unteren Ende der Strecke hinter dem Hotel Schiff in Schönmünzach. Hier hatte ich in dem Kolk oberhalb der Brücke immer wieder Fische bis 30-35 cm. Aufgrund der starken Strömung entschloss ich mich dieses mal jedoch weiter oben auf der Höhe der Hotels Löwe/Sackmann einzusteigen. Unterhalb des Hotel Löwe befindet sich ein großer Parkplatz auf dem ich noch nie Problem mit dem Parken hatte. Von diesem Parkplatz kann man problemlos in die Murg einsteigen und steht gleich an einer großen Rausche mit einer anschließenden Schwelle . In dem schnellen Wasser laufen normalerweise so gut wie alle gut schwimmenden Eintags- oder Köcherfliegen. Da ich an dieser Stelle als Linkshänder immer in Vorteil bin begann ich zuerst den Ufersaum rechts stromauf abzufischen. Auf einer Länge von ca. 15 m konnte ich   4 Forellen   von   ca. 20 -30 cm landen. Danach fische ich fächerförmig die Rausche bis zum gegenüberliegenden Ufer ab, was noch einmal 3-4 Fische einbringt in der selben Größe einbringt. Unterhalb schließen sich 2-3 Schwellen mit zum Teil ruhigen Partien an in denn zum Teil auch Äschen stehen. Hier sollte man sich jedoch sehr ruhig verhalten und zuerst die Fische ausmachen anstatt blind loszufischen . Fische über 35 cm habe ich in diesem Bereich bis auf eine Äsche leider noch keine gefangen, was mit Sicherheit an dem hohen Befischungsdruck dieser Stelle liegt. Oberhalb der Rausche macht die Murg einen großen Bogen um das Hotel Sackmann herum. An dieser Stelle führt auch eine Straßenbrücke über die Murg von der aus mitunter auch die Fische mit Brot gefüttert werden.

Die Forellen sind an dieser Stelle jedoch meist sehr Scheu. Das Motto lauter daher: Tiefste Gangart, Augen auf und zuerst die erkannten Fische anwerfen.   2-3 Blindwürfe sorgen in der Regel für Ruhe auf dem Wasser. Auf der Prallhangseite ist das Wasser bis zu 1,5 m tief. Hier ist auch eine gute Stelle um mit der Nymphe die Fische auch in Steigpausen zu fangen.

Da diese Stelle bereits besetzt war, stieg ich vom Parkplatz des Hotel Sackmann aus in die Rausche oberhalb des Hotels ein. Diese Stelle zählt trotz der mit Sicherheit großen   Frequentierung zu meinen Lieblingsstellen. Die Betonmauer auf der Bergseite hat schon etliche ?Perlenketten" von Forellen hergegeben, ebenso die Rausche mit Ihren unzähligen Kehrwassern, Rinnen, Mikropools und Taschen am Ufer. Wer hier das Wasser liest und sich ein paar Minuten zeit lässt, kann Sternstunden der Trockenfischerei erleben.   Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, werde ich an dieser Stelle oft ?vergessen" da sie genau wissen, dass

Michael für die nächsten 2-3 Stunden wieder nur 2-300m schafft   und der Rest der Gruppe weiter zu neuen Ufern will. 10-15 Fische sind in diesem Bereich fast immer drin wenn man nur genau hinsieht und auch unorthodoxe Stellen befischt. Ich hatte mitten in der Rausche bereits 5-6 Forellen gefangen und wollte eigentlich zum Ufer waten um meine Mittagspause einzulegen. Also Schnur noch einmal ganz raus um sauber aufspulen. Ich legte parallel zum Ufer ab, damit ich langsam aufkurbeln konnte. Das Wasser war knapp 20 cm tief   und mit einer winzigen Rinne die Parallel ca. 50 cm vom verlief strukturiert. Ich war eigentlich mit dem Fischen fertig und konzentrierte mich daher nicht sonderlich auf die Fliege. Plötzlich hörte ich ein ein ?Flopp" und im gleichen Moment bekam dann meine Rollenkurbel ein paar mal auf die Finger. Keine 5 m vor mir schoss ein großer Fisch mit einer nicht zu übersehenden Bugwelle vom Ufer weg in die Hauptströmung. In einem Kehrwasser lies er sich dann nach heftigem Widerstand ausdrillen. Nach ein paar Minuten hatte ich eine schöne 35 er Bachforelle in den Händen welche sich als die größte Forelle des Tages herausstellen sollte . Nach meiner Mittagspause stieg ich oberhalb der Rausche ein. Hier befindet sich ein ca. 50 m langer langsam fliesender Bereich der auf der Straßenseite ca 1,5 m tief und mit etlichen Steinen durchsetzt ist. Hier findet man an der Prallhangseite immer wieder steigende Fische hinter oder vor den Steinen oder unter den Büschen. Diese Stelle eignet sich auch sehr gut zum Nymphen da die Strömung   relativ schwach ist und man die Nymphen gut führen kann. Dieser Bereich wird vom Auslauf des Sägewerkes gespeist der immer für den einen oder anderen Fisch gut ist. Stromauf links verläuft der eigentliche Flusslauf der hier aus in den Fels eingegrabenen Rinnen besteht in denen leider oft nur eine geringe Restwassermenge fliest. In der Regelstehen hier meist kleinere Fische bis ca. 20-25 cm. Folgt man dem Flussbett kommt nach ca. 300 m das Wehr das den Kanal des Sägewerkes speist. Es handelt sich um einen großen Wehrkolk, der sich aber gut befischen lässt. Leider sammelt sich hier auch diverses Treibgut in Form von   Blättern und Gras an welches sich oft an den Nymphen verheddert. Oberhalb des Wehres folgt ein Staubereich, der vor allem abends mit der Trockenfliege interessant ist. Nach diesem Staubereich wird das Flussbett für die nächsten 1 -1 ½ km bis in die Ortsmitte von   Hutzenbach sehr flach und breit. Ich habe diesen Bereich nur einmal mit mäßigem Erfolg befischt. Der Hauptanteil des Fangs waren 1-2 jährige Fische.

  Ab hier jedoch beginnt eine ab Mai/Juni mit Pflanzen bewachsene Stecke die kleine Schwellen die sich bis zu einer großen Rausche an der Straßenbrücke hinzieht. Hier kann man zwischen oder an den Rändern der Krautfahnen immer schöne Fische zum Teil sogar Äschen hervorlocken . Der Bereich in der Mitte des Flusses oder auf dem rechten Ufer stromauf sollte jedoch nicht unberücksichtigt bleiben. Hier stehen in den Rinnen zum Teil ebenfalls Fische die man beim waten stromauf leicht vertreibt und die dann Ihre Artgenossen im Bereich der Wasserpflanzen alarmieren. Die interessanteste Stelle dürfte jedoch der Bereich unter der Rausche sein. Hier konnte ich im Juni   2004 erst 4 Fische trocken und dann noch einmal 4 Forellen mit der Nymphe fangen

Die Murg teilt sich oberhalb in den Hauptstrom und einen kleinen Seitenarm. In diesem Arm hatte ich vor sicher 8-9 Jahren ein etwas peinliches Erlebnis.

Ich war mit Wolf unterwegs und wir waren auf dem Weg zurück zu unserem Auto, das wir auf dem großen Parkplatz neben der Straßenbrücke geparkt hatten. Wir wählten den Weg durch den Seitenarm da hier die Strömung ruhiger war und wir uns diesen Bereich näher anschauen wollten. Vor einem Wurzelstock der ins Wasser reichte sahen wir einen Ring. Da wir um Ostern fischten war es noch sehr kühl und somit mit dem Steigen der Fische den ganzen Tag über nicht weit her gewesen.

Also Schnur runterziehen, und los geht's. Meine Fliege landet optimal vor dem inzwischen noch 2 mal gestiegenen ?Fisch". Er zeigt aber auch bei den nächsten Präsentationen kein Interesse für meine Fliege. Bei näherem Analisieren der Steigmerkmale war das Steigen eigentlich eher ein Nymphen, im oder direkt unter dem Oberflächenfilm, da der ?Fisch" eigentlich nur eine Welle an der Oberfläche direkt vor der Wurzel erzeugte. ?Wenn man nur um diese sch... Wurzel herumschauen könnte, dann würde man auch besser sehen was unser Freund da Vorne nimmt. Also Fliegenwechsel auf einen Auskriecher und wieder an den Rand der Wurzel werfen. Nach weitern 5-10 Driften passierte as dann. ?Mist daneben zu lang und zu weit ans Ufer, vorsichtig wegziehen und hoffen, dass der Fisch nichts merkt" dachte ich mir. Also Rute hoch und ein leichter Zug an der Schnur um die Fliege an der Wurzel vorbeidriften zu lassen. Der Auskriecher dreggte vor der Wurzel vorbei und ?schnapp, zupf, platsch war der ?Fisch" dran. Äh..... klasse, wieder mal eine beim Dreggen draufgeschossen die sich sonst nicht sonderlich für die Federn interessierte. ?Fühlt sich aber komisch an", dachte ich nach den ersten 2-3 Sekunden Drill. ?Hast du sie doch noch erwischt ? hörte ich von hinten Wolf rufen der seine Zigarettenpause beendet hatte. ?Ich gehe vor zum Auto, beeil dich und lass die restlichen Fische in Ruhe falls du noch welche siehst, sonst verpassen wir Christian" hörte ich ihn von hinten rufen. Also Drill forcieren, Fisch raus, abhaken zurücksetzen   und nix wie hinterher zum Auto. ?Fühlt sich aber wirklich komisch an" dachte ich immer nur ein kurzes Rucken dann eine kurze Pause und dann wieder ein Pumper.

Durch Wolf´s Zuruf hatte ich nicht aufgepasst und der Fisch hatte sich unterhalb der wurzel festgesetzt. Zug leicht erhöhen und einige Schritte stromauf warten und der ?Fisch" war wieder frei und kam zur Oberfläche. Nur was da zur Oberfläche kam war kein Fisch. 10 Sekunden später hatte ich einen ausgewachsenen braungrünen Frosch in der Hand der sauber im Maulwinkel gehakt war. Fazit : Nicht immer verbirgt sich ein Fisch hinter einem Ring, manchmal muss man halt auch ne ?Kröte" schlucken wenn man einfach an keinem Ring vorbeigehen kann.

Dies blieb glücklicherweise bis heute der einzige Kontakt mit unseren quakenden Freunden. Zurück am Auto wurde der Frage nach dem Fisch mit allen möglichen Gegenfragen elegant unter den Teppich gekehrt.

Oberhalb der Straßenbrücke beim Hutzenbacher Bahnhof wird das Wasser wieder ruhiger und tiefer. Hier sieht man fast immer Angler da die Brücke auch zum Beobachten des Wassers einlädt und sich auf den einsehbaren Bereichen eigentlich immer aktive Fische ausmachen lassen. Vor 6-8 Jahren habe ich an dieser Stelle oft gefischt, habe mich aber aufgrund des Befischungsdrucks an andere Stellen weiter flussaufwärts zurückgezogen. 2001 hatte ich aber im Bereich des ersten Hauses unter der Steinmauer mit einer Fasananschwanznymphe den Kontakt mit der bisher größten Forelle in der Murg. Der Fluss wird an dieser Stelle von 2 Mauern begrenzt und ist daher sehr tief. Am Ende der Mauer wird das Wasser am Ufer wieder flach.

Ich wollte Rolf, der zum ersten mal mit der Fliege fischte an dieser Stelle das Nymphenfischen erklären. Der Beobachter hat an dieser Stelle von der Mauer aus einen erhöhten Standplatz und kann das Wasser und den Weg der Nymphe gut einsehen. Wir saßen auf der Mauer und wir schauten den kleinen Forellen zu, die in diesem Bereich im Flachwasser nymphten. Plötzlich zog ein Schatten aus dem tiefen dunklen Wasser in den sonnendurchfluteten Bereich am Ende der Mauer. Ich stupste Rolf an du sagt ihm er solle seinen Kopf gaaaaaaaaaaanz langsam stromab drehen und mit seinem Blick der Schattenkante folgen. Keine 5 m von und entfernt stand eine Bachforelle von   weit über 50 cm und pendelte in aller Seelenruhe in der schwachen Strömung und schnappte sich eine Nymphe nach der anderen.

Ich kroch zurück und montierte mein Vorfach auf eine 0,18 Spitze mit einer Fasanenschwanznymphe um, robbte oberhalb der Forelle   wieder zum Wasser vor und warf den Fisch mit ca. 2 m Vorhaltemaß von oben her an. Die Nymphe lief in der optimalen Tiefe und Richtung auf die Forelle zu. Kurz vor dem Fisch stoppte ich die Drift und ließ die Fliege aufsteigen. Die Forelle schwenkte aus, stoppte, das Maul öffnete sich, ich sah Weiß im Maul und der Fisch zog wieder auf seinen Standplatz zurück und ich hob meine Rute sachte an wie ich es hunderte male bei Christian gesehen hatte. Puls sicher über 180 in freudiger Erwartung des nun folgenden Drills. Denkste, nix war mit Drill. Die Schnur kam schlaff zurück. Ich hatte die Rute um   Sekundenbruchteile zu spät angehoben und dadurch den Fisch verpasst. Da die Forelle anscheinend nichts von meinem Pech mitbekommen hatte lies ich die Schnur an den Uferrand treiben und zog sie langsam ein um keine Unruhe auf dem Wasser zu erzeugen. Ich nahm mir eine kurze Pause für die erforderliche Manöverkritik. Anheib verpennt, also zu spät die Rute angehoben. Was hat Christian damals an der Mur bei den Äschen gesagt? Wenn sie die ?Bremsklappen" ausfahren und stoppen Rute hoch und der Fisch hängt. Denn genau wenn sie stoppen schlürfen sie auch die Nymphe ein. Also 2. Anlauf Drift wieder i.O., vor dem Fisch abstoppen, aufsteigen lassen, Puls 200 , Fisch schert aus, stoppt, Rute hoch und hängt. Ich hatte eigentlich mit einer wilden Flucht gerechtet, unsre Brownie war aber genau so überrascht dass sie in den ersten Sekunden nur langsam in die tiefe Rinne abzudriften versuchte. Als sie diese erreicht hatte ging es dann richtig ab. Am Ufer gegenüber ca. 10 m tiefer lag eine Tanne im Wasser und dort war anscheinend Ihr Unterstand. ?Wenn du da rein gehst ist das Thema beendet und ich krieg dich da nie mehr raus" schoss es mir durch den Kopf. In grenzenlosem Vertrauen auf das neue Stroft GTM Vorfach und die guten TMC Haken hielt ich voll dagegen. Sage RPL+ Klasse 5 viergeteilt, da kommt ganz schön Druck zusammen aber alles hielt und ich bekam sie vom Baum weg. Nun kam sie auf mich zu und überlief mich mit einem Affenzahn stromauf. Ich konnte ihr leider nur ca. 10 m stromauf folgen da das Ufer auf meiner Seite mit der Mauer endet. Also wieder dagegenhalten und hoffen, dass ich sie gedreht bekomme. Leider hat das nicht geklappt. Ich konnte sie zwar auf meine Flussseite rüberbringen und vielleicht auch drehen aber in diesem Moment war der Zug in der Leine weg.

Das war's dann. Sie hatte bei der Drehung ausgehakt und konnte so entkommen.

Mit Sicherheit lag es nicht an meinen wiederhakenlosen Haken sondern an dem ungünstigen Winkel den ich am Schluss zum Fisch hatte, zumal ich auch noch einen größeren Schnurbogen in der Schnur hatte. Ich war in den folgenden Fischertagen immer wieder an der besagten Stelle, konnte aber mit meiner Freundin nie wieder anbandeln.

Das war der erste Teil der Strecke von Schönmünzach bis Hutzenbach.

In der nächsten Runde starten wir etwa 500m flussauf am Sportplatz und arbeiten uns bis Röt vor.

Fliegen :
Trocken: Entenbürzel hellgrau, hellgrün, rosa  
in den Größen   12 -17   ( TMC 102 , BL 206)
Nymphen: Fasanenschwanz , GoldkopfnymphenGrau, schwarz, hellbraun, silbernGröße   8 - 16
Streamer: Koppenimitationen  

Die Kartenausgabestelle im Kurhaus in Schönmünzach öffnet in der Regel um 10.00 Uhr. Gastkarten werden jedoch in allen Ausgabestellen nur gegen die Vorlage einer Kurkarte ausgegeben. Der Preis pro Tag betrug 2004 15,00 €

 

Weitere Kontaktadressen :
Baiersbronn Touristik
Murgtalstraße 622
72270 Baiersbronn- Schönmünzach
Tel.: 07442/8414-90
Fax: 07442/8414-91
E-Mail: ti-baiersbronn@t-online.de

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Euer   Michael Werle

                                   

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©Fliegenfischergruppe Oberrhein/Autor: Michael Wehrle

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